Let's go touring – ganz klassisch auf dem Elberadweg

Let's go touring – ganz klassisch auf dem Elberadweg

“Es muss nicht immer gleich eine Weltumrundung sein.”

Das dachten wir (Carsten und Susi) uns auch, als wir unseren Urlaub kurz vor Ostern antraten und uns als Ziel den Elberadweg von Dresden Richtung Hamburg setzten. Jetzt werden viele denken: Och wie langweilig, wo bleibt denn da das Abenteuer. Und wenn man sich so manche Reiselektüre anschaut, könnte man das manchmal wirklich denken. Aber wir wollten keine Vorurteile haben und einfach mal, ohne lange zu planen, starten. Los ging es mit wenig Gepäck von Dresden auf die erste Etappe mit 93 km Richtung Torgau. Wunderschöner Gegenwind und nicht gerade warme Temperaturen empfingen uns und liesen uns auf der flachen Strecke ganz schön schwitzen. Aufgrund der vorherrschende Windrichtung Nord-West wird der Radweg meist von Hamburg elbaufwärts empfohlen. Aber das war uns bewusst. So ging es raus aus Dresden, vorbei an den Radebeuler Hängen Richtung Meißen und die Gegend wurde immer flacher. Vorbei an Feldern, Dörfern und einem Chemiewerk, bis wir nach Torgau kamen. Die Geschichte der Stadt ist reichhaltig und man sieht sie an jeder Ecke.

Ganz "Wacker" geschlagen
Eine Gasse in Torgau
Schloß Hartenfels, Torgau

Auf die 2. Etappe mit Ziel Dessau freuten wir uns besonders, da uns da das berühmte Bauhaus erwartete. Doch bis zum Ziel hatten wir erst einmal 107 km zu bewältigen. Die Temperaturen waren wieder besser und der Wind ließ auch nach. So konnten wir uns auch mal in der Sonne einen kleinen Mittagsimbiss und in der Lutherstadt Wittenberg ein kleines Eis gönnen (leider keine Fotos, da die Schlosskirche, an welche Luther seine Thesen schlug, komplett für das Lutherjahr 2017 restauriert wird und deshalb eingehüllt war). Zweimal ging es auf dieser Strecke auch mit einer sogenannten Gierseilfähre über die Elbe. Nach dem letzten Übersetzen ging es kurz vor Dessau am UNESCO-Welterbe Dessau-Wörlitzer Gartenreich vorbei. Wir waren nach der endlos scheinenden Kopfsteinpflasterstraße (die man glücklicherweise auf einem geteerten Stück anbei fahren konnte) aber gerade so gut in Fahrt, so dass wir dieses Highlight leider nicht besucht haben. Aber das nächste Mal freuen wir uns drauf. So ging es nach Dessau-Roßlau hinein. Nachdem der obligatorische Bäcker für Kaffee und Kuchen besucht und das Quartier bezogen war, machten wir uns auf, das “Bauhaus” und die Meisterhäuser zu besuchen – eine ganz besondere Stätte der deutschen Kultur-, Architektur- und Designgeschichte.

Weiter ging es auf der 3. Etappe in die Domstadt Magdeburg. Die Wege wurden ein wenig schlechter und noch einsamer, aber da wir breitbereift unterwegs waren, war das kein Problem bzw. machte das sogar Spaß, da zuviel Asphalt auch ein wenig langweilig werden kann. Über die Elbe mussten wir diesmal auch wieder, nach ca. 18 km in Aken, übersetzen. Nach 84 km erreichten wir unser Ziel und freuten uns, mal wieder in einer etwas größeren Stadt angekommen zu sein, in der man nach der Tour noch etwas mehr entdecken konnte.  Nachdem wir unsere Unterkunft über die Touristinfo gebucht hatten, wurden wir noch zufällig von einem netten veloheld Fan begrüßt. So war das ein toller Tag :).

Die 4. Etappe führte uns kurz hinter Magdeburg gleich zu einem interessanten Bauwerk – das Wasserstraßenkreuz des Mittellandkanals, der bei Hohenwarthe mit einer riesigen Brücke über die Elbe geführt wird. Auf diese mussten wir hoch, um Oben ein Stück am anschließenden Elbe-Havel Kanal weiter zu fahren. Unser Ziel an diesem Tag sollte nach 76 km die kleine “gutbürgerliche” Stadt Tangermünde sein. Der alte Stadtkern sieht hier noch fast so aus, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sogar eine imposante Stadtmauer umgibt das Örtchen. Das Wetter war wieder sehr wechselhaft und so hatten wir kurz vor dem Ziel noch gegen wunderschönen horizontalen Regen- und Hagel anzukämpfen, so dass wir etwas durchweicht ankamen. Nach dem wir in unser Quartier eingezogen waren, entdeckten wir so einige Highlights, wie die unzähligen, meist “krummen” Fachwerkhäuser, die Kaffeerösterei und ein paar ganz gute Restaurants. So hatten wir hier auch das beste Frühstück am nächsten Morgen, bevor es weiter ging.

Seht Ihr die Störche?
Gasse in Tangermünde

Oft führen die Wege des Elberadweges nicht direkt an der Elbe lang, sondern vielmehr tief im “Hinterland”. Diese Tatsache konnten wir schön auf unserer 5.Etappe nach Wittenberge “erfahren”. Dazu wurde der Weg teilweise auch wieder gröber. Wer die Tour mit Kinderanhänger zu fahren plant, freut sich hier weniger. Aber wie zuvor machte uns das mit unseren dicken Reifen wenig aus und einen Kinderanhänger hatten wir auch nicht dabei. Umso besser wurden die Streckenverhältnisse im letzten Abschnitt der Etappe. So ging es nun etwas zügiger in die kleinste Hansestadt Deutschlands, nach Werben, bevor wir dann mit der Fähre in die Hansestadt Havelberg übersetzten. Kurz danach wechselten wir das Bundesland von Sachsen-Anhalt nach Brandenburg und konnten gut “asphaltiert” auf dem Deich zum “Storchendorf Rühstädt” radeln. Nach 86 km erreichten wir dann Wittenberge und konnten schon von weiten das Wahrzeichen der Stadt, den Uhrenturm des ehemaligen Nähmaschinwerkes sehen. Die Stadt hat nach der Wiedervereinigung und den damit verbundenen wirtschaftlichen Veränderungen mit einem enormen Wegzug der Bevölkerung zu kämpfen. Leider sieht man diese Umstände an vielen Ecken.

Für uns war diese Etappe auch unsere letzte auf unserer kleinen Reise. Gerne wären wir noch bis Hamburg oder weiter geradelt, aber für dieses Mal ging es wieder zurück und mit dem Zug waren wir schon nach ca. 3 h wieder am Ausgangsort.

Vielleicht inspiriert Euch der Bericht die Tour auch einmal (und dann bis Hamburg) zu fahren oder Ihr seid die Tour bereits gefahren und erkennt so einiges wieder. Wir haben so richtig Lust auf weitere Radreisen gewonnen und werden uns die komplette Distanz sicherlich auch noch einmal vornehmen!

Osterhasen in der Pause
Willkommen in Wittenberge

FAQs

Was habt ihr für Räder gefahren?

  • Wir sind mit 2 veloheld.path Prototypen gefahren. Das Rad ist auf der Basis eines MTBs in 26 und 29 Zoll eigentlich als Stadtrad konzipiert. Mittlerweile überlegen wir das Rad eher auch in Richtung Reiserad zu entwickeln, da es mit den dickeren Reifen perfekt für die Tour ist. Die Räder sind mit einem Gates Carbon Drive Riemenantrieb in Verbindung mit einer Shimano Alfine 8 Gang Nabe ausgestattet.

Wie viel Gepäck hattet Ihr dabei?

  • Da wir in Pensionen übernachtet haben, brauchten wir kaum Gepäck. D.h. ein paar Wechselsachen zum Radeln, Wind- und Regenbekleidung und natürlich funktionale und leichte Sachen für die Entdeckungstour zu Fuß in den jeweiligen Städten.

Was kosten die Übernachtungen?

  • Je nach dem, ob man in den größeren Städten oder etwas außerhalb übernachtet, liegen die durchschnittlichen Preise in den Städten zwischen 50 – 75 € für ein Doppelzimmer mit Frühstück. Leider sind die Zimmer in dieser Preisklasse oft nicht gerade liebevoll eingerichtet. Aber vielleicht haben wir hier zuviel erwartet. Auch das Frühstück war dementsprechend oft sehr einfach, d.h. wir hätten uns öfters über etwas mehr regionale Spezialitäten gefreut. In Tangermünde war das Frühstück klasse, es gab selbstgemachte Marmeladen (Tangermünde Kuhschwanz Bier Marmelade) und weitere Leckereien.

Was gab’s zu Essen?

  • Für die Tour konnten wir in den Städten in einschlägigen Lebensmittellädern genügend zu Essen kaufen. Am Abend versuchten wir immer etwas regionales in einem Restaurant zu essen. Das war leider auch nicht immer leicht, etwas passendes zu finden. Auch hier war Tangermünde ganz vorn dabei.

Wo finde ich Eure Strecke?

  • Die Strecke kann man eigentlich nicht verfehlen und ganz nach eigenen Fitnessstand planen. Sie ist (fast) immer perfekt ausgezeichnet und man benötigt keine GPS-Navi. Falls man doch mal ein Schild verpasst, ist so ein Gerät natürlich nicht verkehrt. Unten seht Ihr unsere Daten im Detail.
veloheld.path Prototype Reiserad

Kommentare