Mit dem Rad zur SSCXEC2018

Eine winterliche Radtour brachte mich von Aachen nach Koksijde an der belgischen Nordseeküste zu den Singlespeed Cyclocross European Championships 2018 oder auch SSCXEC2018. Die Idee, dorthin zu radeln, entstand auf dem Rückweg von einem Rennen des Veloheld Cyclocrosscups 2017. Freunde aus Leipzig erzählten von dem Event und dass sie teilnehmen würden. Ein Blick in meinen Kalender verriet mir, dass ich am Wochenende davor in Aachen sein würde. Warum also nicht beides miteinander verbinden? Und tatsächlich wurde aus der Idee Wirklichkeit. 330 Kilometer in 5 Tagen sollten auch im Winter machbar sein. Dennoch hatte ich Angst vor dem angedrohten Kälteeinbruch. Feldwegen und Singletrails gab ich bei der Planung den Vorzug, nicht nur wegen der schöneren Landschaften und des entspannteren Radelns, sondern auch in der Hoffnung, auf solchen Wegen durch den Einsatz des gesamten Körpers weniger auszukühlen. Meine Übernachtungen plante ich im Vorfeld: ein Hotel, die WG einer Freundin, Couchsurfing und ein Hostel.

Pünktlich zur Abfahrt am Montagmorgen begann es in Aachen zu schneien. Der Schnee verdeckte schnell jegliche Unebenheiten auf den gefrorenen Wegen. Tiefe Fahrrinnen von Landwirtschaftsfahrzeugen und Fahrrädern waren ebensowenig erkennbar wie Hufabdrücke von Pferden. Der Gedanke, wer und vor allem wann mich jemand finden würde, wenn ich ungünstig stützen sollte, veranlasste mich zu besonderer Vorsicht. Schon auf den ersten Kilometern stellte ich fest, dass meine Angst vor der Kälte unbegründet gewesen war. Solange ich in Bewegung blieb, ließ es sich draußen gut aushalten. Nur das Wasser in meiner Trinkflasche war schnell ein einziger Eisklumpen. Nach zwei Tagen mit jeweils etwa 80 km erreichte ich Brüssel; den Schnee hatte ich mittlerweile hinter mir gelassen. Der dritte Tag führte mich nach Gent. Die Leute, bei denen ich übernachten durfte, zeigten mir die Stadt: eine mittelalterliche Burg inmitten der Stadt und dazu eine einladende und gemütliche Stimmung machten mich fast sprachlos. Ein Freund schrieb mir vom Fahrradladen Fietsen STEIL in Gent, der Sponsor und Mitorganisator der SSCXEC2018 und außerdem Veloheld-Händler ist und empfahl mir, diesem einen Besuch abzustatten. Also machte ich einen kleinen Abstecher dorthin. Gestärkt durch Kaffee und Schokolade und nach netten Gesprächen über das Fahrradfahren im Allgemeinen und die SSCXEC im Besonderen ging es zügig und mit Rückenwind weiter gen Brügge. Seit ich den Film “Brügge sehen… und sterben?” zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich diese Stadt besuchen. Zugefrorene Kanäle und eisiger Wind begleiteten meine Entdeckungstour durch die Stadt. Viele Orte erkannte ich wieder und erfreute mich daran. Dann brach auch schon der letzte Tag an. Eisregen und vorhergesagter Schnee veranlassten mich, meine Route neu zu planen, um schnellstmöglich das Ziel zu erreichen, Asphalt sollte es sein. Kaum in Koksijde angekommen, begann es zu schneien. So umrahmte der Schnee meine Tour von Aachen zu den SSCXEC.

Am Abend nahm ich die Reisegruppe aus Leipzig in Empfang. Gemeinsam aßen wir belgische Fritten und tranken belgisches Bier. Zum Frühstück am nächsten Morgen aßen wir belegte Baguettes und tranken akzeptablen Kaffee; guten Kaffee zu finden, scheint in Belgien ein schwieriges Unterfangen zu sein. Ursprünglich wollte ich dem Event als Zuschauer beiwohnen, doch es packten mich Neugier und Ehrgeiz. Also besorgte besorgte ich mir eine Startnummer. Die Schaltung fixierte ich mit einem Kabelbinder, ein Singlespeed war gefordert. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe begutachtete ich die Strecke und lauschte aufmerksam den Hinweisen und Kommentaren zu einzelnen Passagen. Zur Strecke lässt sich hauptsächlich folgendes sagen: SAND.

Vor dem Start wurden die Räder versteckt oder umplatziert. Meines hing am Turm eines Klettergerüstes. Die erste Hürde bestand also darin, mein Rad von dem Turm herunter zu bekommen. Mein erster Gedanke: hoffentlich hat jemand das Rad da oben fotografiert. In die Vorrunde startete ich vorsichtig, um mit dem Rundkurs vertraut zu werden. Im Finale versuchte ich, mehr Energie hineinzustecken, was mir jedoch nur mittelmäßig gelang, nicht zuletzt wegen der von mir gewählten Übersetzung. Ich hätte einen schwereren Gang wählen sollen, um auf geraden und ebenen Wegabschnitten nicht zu viel Zeit zu verlieren. Ohnehin konnte ich die sandigen Passagen nicht fahren. Ich lerne daraus fürs nächste Mal. An meinen technischen Fertigkeiten kann und will ich auf jeden Fall arbeiten, zum Beispiel will ich das  Aufspringen aufs Rad üben bzw. mich trauen. Die Veranstaltung und auch die Leute, mit denen ich da war, machten Lust auf mehr Cyclocross und Radfahren. Und Lust auf Singlespeed…

Bilder: Sandra, Tim (steil) und Fabian (www.instagram.com/kurbelfurbel/)

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