INTRODas Vorhaben: 1100 Kilometer, 20.000 Höhenmeter, mitten durch Norwegen.Simon kennt ihr vielleicht schon  er ist schon lange ein Teil der Community und wir haben schon mal über ihn berichtet, als er 2024 das „Mother North“ gefahren ist. Er ist jemand, der gerne große Abenteuer angeht und weiß, dass eine gute Vorbereitung dabei das A und O ist. Im Juli 2025 war er mit seinen veloheld.iconX beim „Bright Midnight“ am Start. Ein Ultracycling-Event durch Norwegen mit zahlreichen Fjorden, langen Pässen, extremen Wetterbedingungen und Nächten, die im norwegischen Sommer einfach nicht dunkel werden wollen. Wir haben ihn gefragt, wie es war.

Erzähl uns zuerst kurz von deinem Abenteuer:
Wo warst du unterwegs und was war das Ziel dieses Rennens?

Im Juli 2025 habe ich am Bright Midnight teilgenommen, einem Ultracycling Event in Norwegen, das von der Ultracycling Legende Justinas Leveika organisiert wird. Es geht über 1100 Kilometer und man muss ungefähr 20.000 Höhenmeter überwinden. Start und Ziel ist das kleine Örtchen Tolga mitten im norwegischen Nirgendwo, gut 300 Kilometer nördlich von Oslo, und führt von dort aus in einer großen Schleife westwärts bis hinab zu den Fjorden und dann entlang der höchsten Berge Norwegens zurück nach Tolga. Währenddessen rollt man über einige der schönsten Gravelbikerouten und coolsten Pässe Norwegens.

Was hat dich dazu gebracht, genau dieses Abenteuer anzugehen?

Ganz ursprünglich bin ich während einer Bikepacking Tour im Nieselregen auf meinem veloheld.iconX durch Dänemark gerollt und habe währenddessen einen Podcast von Martin aka www.biketour-global.de über die erste Ausgabe des Bright Midnight gehört – und das fand ich so cool, dass ich mich gefragt habe, ob ich das auch schaffen würde. Vor allem, dass diese Gravelbike-Herausforderung in Norwegen, meinem Lieblingsland, stattfand, hat mich zusätzlich motiviert, mich mehr und tiefer damit zu beschäftigen.

Wenn du das Rennen in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?

Herausfordernd – Hart – Wunderschön

Gab es einen Moment unterwegs, wo du kurz gezweifelt hast, das Ganze nicht zu schaffen?

Nicht wirklich, aber als wir am dritten Tag abends in ein Gewitter geraten sind und uns bei der verbleibenden Entfernung zur Unterkunft um einige Kilometer und um hundert Höhenmeter verschätzt haben, da war ich ganz sicher an einem sehr dunklen Ort in meinem Kopf. Aufgeben war allerdings keine Option, aber sich hier zu motivieren, war schon schwierig. Man muss schon dieser Type 2 Fun sein und den richtigen Umgang damit mögen und kennen, damit eine solche Situation einen nicht bricht. Das Schöne daran: Man ist voll und ganz im Hier und Jetzt – das Miese daran: Man ist voll und ganz im Hier und Jetzt. Aber irgendwann ist auch das größte „Leiden“ zu Ende, spätestens dann, wenn man mit leerem Blick, klitschnass und total durchgefroren total fertig eine Cola in der Hand hat und im Warmen in der Unterkunft sitzt. Sollte man mögen, sonst wird es schwierig!

Welcher Moment ist dir besonders im Kopf geblieben?

Da gibt es vielleicht zwei Momente, die ich da vor Augen habe. Zum einen die eher miese Seite eines solchen Events, als wir, wie schon beschrieben, nach einem langen und schon sehr anstrengenden Tag noch in ein Gewitter mit Regen und Nässe bis auf die Haut und einem unerwartet harten weiteren Anstieg hinein gefahren sind, um zu unserer Unterkunft zu gelangen, und zum anderen die coole Seite, als wir am späten Abend bei allerbestem Wetter auf der Sognefjellveg-Passstraße unterwegs waren, der höchstgelegenen Passstraße in Norwegen, mit fantastischem Blick auf die höchsten Berge Norwegens – was für eine Belohnung für all die Anstrengungen bis dahin!

Wie wichtig war dein Set-up für dieses Rennen?

Sehr wichtig, würde ich sagen. Mit einem guten und durchdachten Set-up kann man sich unterwegs viele Probleme vom Hals halten. Angefangen bei einem zuverlässigen Bike, einer den eigenen Bedürfnissen entsprechenden Übersetzung und einer guten Sitzposition bis hin zur Ausrüstung, die man mitnimmt. So kann man sich unterwegs aufs Radfahren konzentrieren und muss sich nicht mit kleineren oder größeren Problemen herumschlagen. Probetouren und Packlisten haben mir dabei geholfen, mein Set-up zu finden. Wenn man dann ins Ziel kommt, ohne mechanische oder physische Probleme, dann weiß man, man hat die richtige Ausrüstung am Start gehabt. Ein Hoch auf gute Vorbereitung und Planung!

Viele denken bei solchen Abenteuern zuerst an Geschwindigkeit oder Leistung: Was ist für dich persönlich das Wichtigste, wenn du auf solchen Strecken unterwegs bist?

Grundsätzlich ist mir erstmal wichtig, gut und gesund ins Ziel zu kommen. Da ich sowieso nicht in die Top 10 fahren kann bei solchen Events, ist es mir wichtig, im Rahmen meiner Möglichkeiten eine gute Zeit zu haben. Damit meine ich nicht, dass ich unterwegs nur Spaß habe, es geht mir eher darum, gut durchzukommen und es im Zeitlimit ins Ziel zu schaffen. Unterwegs gibt es ja auch noch Faktoren wie das Wetter, auf die man keinen Einfluss hat, sodass schnell alle Pläne Makulatur sind, wenn das Wetter nicht mitspielt. Andersherum kann einem gutes Wetter ermöglichen, viel länger zu fahren. Gerade im Sommer hier in Norwegen wird es dann ja kaum noch dunkel und man kann fast rund um die Uhr ohne Licht fahren. Und dann muss auch noch der Kopf mitspielen, ohne den geht gar nichts. Selbst wenn du top trainiert bist und das beste Equipment hast, spielt der Geist nicht mit, wirst du unterwegs eine echt schwere Zeit haben.

Wie bereitest du dich auf ein solches Abenteuer vor?

Ich denke, Vorbereitung ist das A und O bei solchen Events. Dazu gehören entsprechendes Training, ein durchdachtes Setup und vor allem auch, dass man sich mit der Route und den Möglichkeiten vor Ort auseinandersetzt. Das kann einem unterwegs viele Probleme ersparen. Zudem braucht es dann auch Erfahrung und den richtigen Umgang mit seinem Körper und dem Kopf – das heißt aber auch, dass man sich wirklich mit dem auseinandersetzen sollte, was man da plant, ansonsten ist man unterwegs eher mit Problem-Management als mit Freude am Fahren beschäftigt.

Gab es unterwegs etwas, das komplett anders lief als geplant?

Nicht wirklich. Wir hatten uns einen guten Plan zurechtgelegt und den quasi strukturiert abgearbeitet – sprich, wir haben uns das „Rennen“ von vornherein gut in Etappen eingeteilt, und das hat hervorragend geklappt. So konnten wir verhindern, uns komplett zu verausgaben oder aus meiner Sicht (und beim Ultracycling nicht selten unnötig eingegangene) Gefahren durch z.B. Sekundenschlaf oder Unterkühlung einzugehen. Das hatte zur Folge, dass ich zwar im Ziel ziemlich kaputt war und wir auch eher im ganz hinteren Mittelfeld angekommen sind, dafür konnte ich aber hinterher auch direkt wieder Radfahren und musste nicht Wochen oder monatelang meine Wunden pflegen

Was war die größte Herausforderung auf der Strecke?

Schwer zu sagen, es lief ja alles ziemlich gut. Was mir diesmal unterwegs am meisten zugesetzt hat, war vermutlich die Sonne und Wärme zwischendurch. Klar, gutes Wetter ist bei solchen Events super, aber wenn man ohne Schatten unentwegt bei einigen der größten Anstiege komplett von der Sonne getoastet wird, ist das für mich persönlich schon echt schwierig, mit allzu großer Hitze komme ich nicht so gut klar. Und es dauert in Norwegen im Sommer, bis die Sonne untergeht. 😉

Welche Rolle spielt das Radfahren für dich persönlich?

Mit dem Rad unterwegs zu sein, gibt mir ein großes Gefühl von Freiheit. Insbesondere mit dem Gravelbike erlebe ich das. Man kommt immer zügig voran, kommt beinahe überall durch und bei Bedarf kann man auch noch ein komplettes Bikepacking-Setup easy mitnehmen – einfach perfekt! Ich bewege mich auch liebend gern in der Gravel-Bike-Bubble und kann mich auch in Details rund ums Fahren verlieren – aber zum einen wohne ich aktuell in Norwegen und Radfahren ist hier maximal 6–7 Monate im Jahr möglich, da ansonsten Winter ist, und zum anderen mag ich auch andere Outdoorsportarten sehr! Ich gehe liebend gern Skifahren, Langlaufen, Wandern oder auch mit Nordic-Backcountry-Ski auf Tour mit Zelt oder von Hütte zu Hütte. Also ja, Radfahren ist mir sehr wichtig, aber es gibt noch so viele andere coole Sachen!

Wenn du jemandem einen Tipp geben müsstest, der selbst von so einem Abenteuer träumt – welcher wäre das?

Wie bei jedem größeren Abenteuer gilt: Taste dich vorsichtig heran, sammle Erfahrungen, steigere dich und bereite dich gut vor – dann kann man sich auch irgendwann selbst an die Startlinie stellen. Eine gute Vorbereitung ist mehr als die halbe Miete, Abenteuer gibt es auch so noch genügend unterwegs!

Hat dieses Rennen deinen Blick aufs Radfahren verändert?

Nicht grundsätzlich in Bezug auf Bikepacking-Touren. Vor allem aber hat sich die Sichtweise auf meine Leistungsfähigkeit verändert, in dem Sinne, dass ich gemerkt habe, was ich imstande bin zu leisten, und sich daraus neue Ziele und Möglichkeiten ergeben. Ich habe jetzt an zwei Ultra-Events teilgenommen und habe seitdem enorm viel über mich und meine eigene Leistungsfähigkeit gelernt. Ich weiß jetzt, dass ich das kann, und jetzt geht es daran, an den Details unterwegs, dem Set-up und dem Training zu feilen, um dann eventuell noch mehr rausholen zu können.

Und ganz wichtig: Wo führt dein nächstes Abenteuer hin? 🙂

Aktuell ist ja hier Winter und Radfahren bis mindestens Mitte April nur auf der Rolle möglich, also geht es jetzt demnächst erstmal auf Wintertour mit Ski, Pulakschlitten und Zelt. Für den Juni habe ich mir dann ein, zwei längere Ausfahrten geplant und Mitte Juli bin ich dann wieder in Tolga und werde versuchen, mein persönliches nächstes Ultra-Level freizuschalten.

Done. And ready for more.

Simon ist ins Ziel gekommen. 1100 Kilometer, 20.000 Höhenmeter durch Norwegen – done. Und nach eigener Aussage war er auch direkt wieder bereit zum Losfahren, was wir absolut verstehen können.
Mitte Juli geht sein nächstes Abenteuer los, da ist er in Tolga. Dort will er sein nächstes Ultra-Level freischalten. Wir sind schon ganz gespannt, was er da berichtet.

Genau für solche Momente und solche Menschen bauen wir unsere Räder. Danke, Simon, dass du losfährst. That’s what it’s all about.
Wer Simon auf seinen nächsten Abenteuern verfolgen möchte – auf seinem Blog, seinem Podcast und auf Instagram ist er regelmäßig dabei. Schaut vorbei, es lohnt sich.